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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Psalm 35.

Gebet gegen boshafte Feinde.

1 Von David.
Streite, Jahwe, mit denen, die wider mich streiten;
kämpfe mit denen, die wider mich kämpfen.
2 Ergreife Schild und Tartsche
und erhebe dich als Hilfe für mich.
3 Ziehe die Lanze heraus und sperre den Weg entgegen meinen Verfolgern;
sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe!
4 Beschämt und zu Schanden müssen werden, die mir nach dem Leben trachten,
zurückweichen und enttäuscht werden, die mein Unglück sinnen.
5 Sie müssen wie Spreu vor dem Winde werden,
indem sie der Engel Jahwes umstößt.
6 Ihr Weg müsse finster und schlüpfrig sein,
während sie der Engel Jahwes verfolgt.
7 Denn ohne Ursache haben sie mir heimlich ihr Netz gelegt,
ohne Ursache mir eine Grube gegraben.
8 Möge ihn unversehens Verderben überfallen,
und sein Netz, das er heimlich gelegt, ihn fangen:
ins Verderben stürze er hinein!
9 Aber meine Seele wird über Jahwe frohlocken,
sich über seine Hilfe freun!
10 Alle meine Gebeine werden sprechen:
"Jahwe, wer ist wie du?
der den Elenden errettet von dem, der ihm zu stark ist,
und den Elenden und Armen von dem, der ihn beraubt."

11 Es treten frevelhafte Zeugen auf;
wovon ich nichts weiß, danach fragen sie mich.
12 Sie vergelten mir Böses für Gutes,
Kinderlosigkeit ward mir zu teil.
13 Ich aber bekleidete mich, als sie krank waren, mit einem Trauergewand, kasteite mich mit Fasten,
und mein Gebet kehrte zurück in meinen Busen.
14 Wie um einen Freund, einen Bruder von mir ging ich trauernd einher,
war gebeugt wie einer, der um seine Mutter trauert.
15 Aber bei meinem Falle freuen sie sich und rotten sich wider mich zusammen.
Es rotten sich Fremde wider mich zusammen und die ich nicht kenne;
sie lästern ohne Aufhören.
16 Sie höhnen mich, spotten und spotten,
indem sie gegen mich mit den Zähnen knirschen.
17 O Herr, wie lange willst du zusehen?
Erquicke meine Seele und befreie sie von ihrem Gebrüll,
von den jungen Löwen meine Verlassene.
18 Ich will dich preisen in großer Versammlung,
unter zahlreichem Volke dich rühmen.
19 Laß sich nicht freuen über mich, die mich grundlos befeinden,
noch mit dem Auge blinzeln, die mich ohne Ursache hassen.
20 Denn sie reden nicht, was zum Frieden dient,
und wider die Stillen im Land ersinnen sie trügerische Worte.
21 Sie rissen ihr Maul weit auf wider mich,
riefen: "Ha, ha!
Wir haben's mit eigenem Auge gesehen!"
22 Du hast's gesehen, Jahwe; schweige nicht!
Herr, sei nicht fern von mir!
23 Wache auf, ja erwache, mir Recht zu schaffen,
mein Gott und Herr, meine Sache zu führen!
24 Schaffe mir Recht nach deiner Gerechtigkeit, Jahwe, mein Gott,
und laß sie sich nicht über mich freuen!
25 Laß sie nicht in ihrem Herzen sprechen: Ha, unsere Mordlust!
Laß sie nicht sprechen: Wir haben ihn zu Grunde gerichtet!
26 Laß sie insgesamt beschämt und enttäuscht werden, die sich über mein Unglück freuen,
in Scham und Schande sich hüllen, die wider mich groß thun.
27 Laß jubeln und sich freuen, die Gerechtigkeit für mich wollen;
laß sie allezeit sprechen: Groß ist Jahwe,
der das Heil seines Knechtes will!
28 Und meine Zunge soll deine Gerechtigkeit preisen,
alle Zeit deinen Ruhm.